This is the end …

Der Betrieb des Blogs wurde aus Zeitmangel eingestellt. Ich bitte alle versäumten E-Mail-Antworten zu entschuldigen.

[shimmering lost gem>>] Mount Moriah – Mount Moriah

______alt country/pop

Mount Moriah – Mount Moriah (2011, Holidays For Quince)

Mount Moriah – Only Way Out

Mount Moriah – Plane

Hallo liebe MCFler und Willkommen in der neuen Kategorie Shimmering Lost Gem, einer kleinen Rubrik, welche sich den nicht mehr ganz so aktuellen Schätzen widmen soll, deren akustisches Leuchten und Scheinen aber lange noch nicht verblasst ist. Starten will ich mit Mount Moriah, da ich denke, dass das bis hierhin einzige erschienene Album Heather McEntires (Bellafea) und Jenks Millers (Horseback) eine wunderbare Platte ist, um den Kopf frei zu bekommen und Zufriedenheit durch unkompliziert zu konsumierende Musik zu tanken.

Das Mount Moriah betitelte Album täuscht auf den ersten Blick etwas mit seinem an den Southern Gothic erinnernden Cover Artwork, denn diese Einflüsse sind nicht vorhanden. Man greift viel mehr die dargestellte Szene und deren stereotypische Klischees mit dem Bezug zum Country selbst auf und transformiert das Klischeehafte in Traditionelles gepaart mit poppigen Songstrukturen und markanten Melodielinien im Gesang. Ursprünglich wurde ich (wieder einmal) durch einen sehr guten Freund auf dieses Album aufmerksam gemacht, der meinte, es erinnere stark an Jason Molina vom Stil her. Wir sprachen ein wenig über das Album, denn ich meinte eher, dass es mehr oder weniger klassicher Alt Country Pop wäre, denn Jason Molina-Sound lastig. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte – wie immer. Denn obgleich die Nähe zum Pop und zum Country nicht zu leugnen ist, sind doch Songs wie das herausragende Plane so deutlich in der Handschrift Molinas, dass man sich vorstellen kann, man höre ein Cover eines seiner eigenen Lieder. In dieser Mischung aus Songwriter-Talent und der Leichtigkeit des Pops mit der Natürlichkeit des Countrys schaffen es Mount Moriah ein wunderschönes Album zu kreieren, dass manchmal etwas zügiger vorangeht (Social Wedding Rings) aber dann auch wieder fast in den Rückwärtsgang schaltet (Old Gowns bzw. Hail, Lightning).

Die Faszination wird dabei verstärkt durch die Stimme McEntires. Ein anderer sehr guter Freund meinte, dass sie wohl nicht durch sich selbst überzeugte, da sie keinesfalls eine der schönsten Stimmen sei, die er bisher gehört habe, aber punktet durch das Talent der Sängering unglaublich schön zu singen. Und das ist es doch genau, meine ich, was eigentlich alle wollen: das Gefühl, dass jemand ehrlich ist und sich nicht von Nebensächlichkeiten bestimmen lässt, sondern sein Talent ungehemmt preisgibt. Nur so entsteht die beste Musik: durch Hingabe, durch hörbare Hingabe und Liebe zur Musik selbst.

Für alle Steckenpferd-Cowboys und Gummirevolver-Helden kann ich den Gang entlang dieses Hyperlinks empfehlen, vorbei an Bildern staubiger Wüsten und Schrotflinten-Attrappen, geradewegs in Richtung Mount Moriah:

http://www.holidaysforquince.com/New%20Releases.html

Vinyl mit Bonus Tracks gibts auch und zwar hier:

http://www.mergerecords.com/store/store_detail.php?catalog_id=883

[revievv>>] Halo – Late Winter Tales

_modern classical/ambient

Halo Late Winter Tales (2012, Dewtone)

Halo – Drift

Halo – Angel

Jahreszeitlich derzeit zumindest tendenziell richtig ist der Titel der ersten Veröffentlichung von Pasquale Riviezzo aus Italien. Wenngleich er seine Late Winter Tales auf soundcloud als EP bezeichnet, so will ich dennoch darauf hinweisen, dass es sich um eine 40-minütige Reise ins Land der Winterträume handelt und man eher das Gefühl hat, ein abgeschlossenen Album zu hören. Erschienen ist das gute Stück schon früher in diesem Jahr auf Dewtone Recordings, einem kleinen kanadischen Label von dessen Existenz ich bis jetzt nichts wusste. Mit der Aufnahme von Halo ins Repertoire beweisen Dewotone jedoch, dass sie ein Händchen besitzen bei der Auswahl neuer, grandioser Musik.

Die Zutaten, aus denen Late Winter Tales zusammengesetzt ist, sind dabei Streicher und Piano, sowie elektronische Einflüsse in Form von sphärischen Flächen, vereinzelten Beats, ein paar Sprengsel Field Recordings hier und da und zum Abschluss eine Note Hisses, Clicks und Noises. Einmal gut durchgerührt ergeben sich zehn tracks, die in ihrer Grundstimmung ruhig und zurückhaltend sind und gut an der Umsetzung des Albumtitels arbeiten. Aspektmäßig wurde vor allem Wert darauf gelegt, dass nicht das Frostige, das Klirrende, das Endebringende des Winters betont wird, sondern dessen Wirkung in der Distanz. Mir scheint es, als seien die Late Winter Tales keine Lieder des Abschieds, eher Lieder der Realisierung bewussten Wandels, eine Beobachtung des Progressiven, neutral und doch thematisch orientiert. So, als blickte man tagelang aus dem Fenster und beobachtet, wie der Schnee fällt, langsam alles eindeckt in Weiß und es kälter und frostiger wird, während der eigene Platz warm und konstant geschützt bleibt, das Kaminknistern metaphorisch dargestellt als elektronische Störgeräusche. Diese Beschreibung zielt natürlich auf eines der Lieder und ich beziehe meine Gefühle auf das wunderbare Drift. Eine sanfte, sinnlich-melancholische Melodie auf dem Piano, im Hintergrund warme Drone Flächen, dann dieses elektronische Knistern, diese wunderbare Umsetzung eines angedeuteten Kamins, zumindest in meinen Kopf. Ein Lied zum Verlieren, zum Sich-Verlieren.

Neben den klassischen Elementen der modernen Klassik, also der direkten Umsetzung der Lieder mit den Primärinstrumenten Klavier und Streicher, gibt es auch Anderes, dem man gebannt lauschen kann. So sticht vor allem noch der track Angel heraus, bei dem es ich um Warm Drone erste Güte handelt. Sanfte Pastellflächen, langsame Bewegung in der Monotonie, Gefühl auf digital, in Musik sozusagen. Es ist unbeschreiblich, was Halo zusammengeschustert hat, an manchen Stellen möchte man sich im Klang verlieren und wird nur dadurch aufgefangen, dass eine vereinzelte Welle von Percussions ins Lied schweift, ihre Anwesenheit durch sich selbst kurz vorstellt, nur um geheimnisvoll wieder zu verschwinden. Das ist Angel, eines der Highlights dieser traumhaften Wintergeschichten.

Nachdem ich nun Drift als wunderbares eher klassisches Modern Classical Lied (und ja, ich finde diese Formulierung auch zu umständlich) und Angel als Vertreter des warmen Dronigen herausgehoben habe, eventuell noch der Hinweis auf Sunset, in meinen Ohren eine Verbindung der beiden Stile mit lebendigen flächigen Klanglagen im Hintergrund, mit sich entwickelnden Klaviermelodien, mit der oben beschriebenen Stimmung des Wintereinbruch-Beobachters und dann auch wieder mit dem Hauch Variationshingabe, so dass das letzte Drittel ein Neubeginn im Lied selbst ist, eventuell eine kleine Veränderung in den Jahreszeiten, ein Frühlingsbeschwören – oder dem Titel nach einfach ein wunderschöner Sonnenuntergang, der das eisige Weiß in ein ruhiges Schwaz verwandelt, in dem sich Mondesreflektionen auf Schnee als letzte Lichter der Ruhe spiegeln, bevor Schlaf über alles fällt und alles sanft durch das folgende Winter Lullaby II ins Traumreich übergeben wird. Herrliche Musik, vorm Kamin zu genießen – oder zumindest im Warmen und mit ganz viel Ruhe und offenem Herzen. Winterkälte transformiert in Lebenswärme. Hoch Halo, lass klingen; lauscht:

http://dewtone.bandcamp.com/album/halo-late-winter-tales-dtr013

[round↑↑↑] Was es Neues gibt in den chambers of MCF

Machinefabriek – Brokstuk 2 (vom Album Brokstukken, 2011, self-released & limitiert auf Champion Version)

Liebe MCF Leserschaft, es tut mir leid, dass so lange kein neuer content gepostet wurde. Wieder einmal schlagen sich diverse äußere Faktoren besonders zeitmäßig sehr negativ nieder. Gleichzeitig wollte ich auch nicht einen plainText nach dem nächsten posten. Dies würde langweilig werden und mein Repertoire vorzeitig aufbrauchen. Also nichts für ungut, ich verspreche, dass dieses Wochenende eine interessante Scheibe vorgestellt werden wird.

Dass ich derzeit wieder mal nicht zum bloggen komme ist jedoch nicht die einzige Neuigkeit. Auch musikalisch hat sich bei mir in den letzten drei bis vier Wochen viel getan. Hingeführt über die moderne Klassik und einen sehr guten Freund, habe ich mich im vergangenen Monat mehr und mehr dem Ambient Drone genähert. Rückblickend stelle ich schon lang dagewesene Tendenzen in meinem Hörverhalten fest, die mir erst jetzt bewusst werden, bzw. die erklären, dass mich eine tiefe Fasziantion für Ambient Drone gepackt hat. Schon auf Common Folk Meadow ließen sich erste Interessensansätze finden mit bspw. dem review zu Greg Haines etc. Dann habe ich auch auf MCF festgestellt, dass mir das eine Drone Stück des Evening Hymns Albums besonders gut gefällt und schon kurz darauf erschien hier ja die Besprechung der Scale Compositions der Kollaboration Chihei Hatakeyamas und Asunas. Es ist also keine wirkliche Neuentdeckung für mich, aber doch die Realisierung einer schon lang angelegten Potentialität, um es geschwollen auszudrücken, oder einfach nur eine Entdeckung einer still in mir schlummernden musikalischen Liebe.

Dies wird Konsequenzen haben (hoho!). Vor allem die, dass ich neben Folk und Modern Classical wohl dem Ambient Drone als Subgenre und treuem Weggefährten der modernen Klassik etwas mehr Raum einräumen werde in zukünftigen reviews. Eine kleine Veränderung also, aber für mich ein wichtiger Schritt in der musikalischen Entwicklung und Ausdrucksweise, wenn man es so nennen will.

Also dann bis morgen, liebe MCF Leser, und in alter Frische; zwar noch nicht mit Ambient Drone, aber traumhafter moderner Klassik.

Was nennst du da noch Lyrik, wenn einer seinen PC anmacht,
eine punkt.doc-Datei erstellt und anfängt
seine Finger in die Tasten zu drücken?
Wie nennst dus denn, wenn einer nach Hause kommt
und in einen Designer-Notizblock schreibt, dass ihn die verdammten
Herbstblätter traurig machen? Sentimentale Nachgeburt – hätt er doch nie geschrieben!
Aber ich kann das nicht finden, was da noch schön sein soll, wo bleibt der Hang zur Ästhetik?
Deine verdammte Ästhetik kann mich am Arsch lecken,
wär denn Goethe weniger, hätt er den Faust mit Scheiße geschrieben,
den Werther in den Schnee gepisst?
Wahrscheinlich…
Ja, wahrscheinlich wär er weniger, so als verlörn die Worte Wert als Dung.
Tuns sies nicht?
Wie, haben sie denn welchen? Ich meine: in sich, Schnösel?
Scheint mir so, wenns doch in Scheiße alles stinkt…
Dein dummes Gesabber kann ich nicht mehr hören!
Frag doch mal den Fulton, ob der weniger Kunst produziert,
wenn am Wegrand mehr Hundescheiße liegt – je mehr, je weniger, oder was?
Fulton kenn ich nicht – müsste ich denn?
Deine Mutter…Es ist scheißegal, ob du Fulton kennst oder nicht,
es ist auch scheißegal, ob du deine Lyrikkotze findest,
und Fulton ists scheißegal, ob jemand sagt, er sei Künstler – vermutlich.
Merkst dus nicht, dass alles scheißegal ist, solang es welche gibt, die sich
so eine Scheiße gar nicht erst fragen?
Bist du der Richter, dann fick doch deine Lyrik.
Viva la Koprophagie et Koprolalie!
Sodann, schenk ein.

Veröffentlicht in plainText

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[revievv>>] Binoculers – There Is Not Enough Space In The Dark

_____________indie folk

Binoculers – There Is Not Enough Space In The Dark (2012, Insular Music)

Binoculers – The Place You Come From (download)

Binoculers – Monsters (download)

Eigentlich sollte dieses review schon vor ein paar Tagen online sein, aber ich habe zur Zeit ziemlich viel um die Ohren, so dass es erst jetzt neuen content gibt. Ich denke trotzdem, ich kann allen MCF-Lesern versichern, dass sich das Warten gelohnt hat.

Es besteht die Chance, dass einige von euch bis jetzt noch nichts von Binoculers gehört haben und ich muss gestehen, dass ich mich selbst auch zu dieser Gruppe zähle. Hinter Binoculers verbirgt sich die Singer-Songwriterin Nadja Rüdebusch aus Hamburg und ich freue mich, wieder einmal Musik aus Deutschen Landen hier vorstellen zu dürfen. Doch bevor ich näher auf das 2012er Album eingehe (immerhin schon das dritte Album der Hamburgerin), will ich euch nicht vorenthalten, dass ‚There Is Not Enough Space In The Dark’ gleichzeitig die erste Veröffentlichung des neuen Hamburger Labels Insular Music ist. Wer noch mehr Gründe zur Freude braucht (geht das?), es finden sich auf dem Album reichlich weitere.

Dabei wären wir auch schon beim Thema. In den Informationen, welche ich zur Verfügung gestellt bekommen hatte, wird der Vergleich zu u.a. den Bowerbirds bzw. Nick Drake gezogen. Ich fühle mich mit diesem Vergleich nicht ganz so wohl, wenngleich Genre-Parallelen erkennbar sind. Vielmehr erinnert mich die sanfte, oft weit zurückgenommene, leise gesungene Stimme mit den teils spärlichen, teil reicher instrumentierten Liedern an Holly Throsby (besonders an ihr 2006er Album ‚Under The Town’). Beide Sängerinnen verstehen sich vorzüglich darauf, und genau da liegt auch eine der besonderen Stärken von den Binoculers, Indie Folk Pop süß und zuckrig werden zu lassen. Wie eine große klebrige Kugel Zuckerwatte begegnet die Musik dem Hörer und man fühlt sich wohl, begräbt seinen Kopf genüsslich in dieser fluffigen Leckermasse.

Es ist dabei keineswegs so, dass sich Nadja Rüdebusch nicht mit eher traurigen bzw. ernsten Themen beschäftigt, auch ist und bleibt das Album sehr persönlich an vielen Stellen (man höre bspw. ‚Grandmother’s House’). Dennoch gelingt es immer wieder, die Texte durch die Arrangements aufzulockern und genussvoll zu machen. Ein sehr gutes Beispiel ist der hier eingebundene Track ‚The Place You Come From’. Er startet als acoustic folk Nummer, bekommt dann mehr und mehr Gesellschaft von flächigen Sounds und Percussions und entwickelt sich am Ende zu einem schönen Indie Folk Lied, das weder überladen noch zu spärlich klingt. Beides würde dem Binoculers Sound nicht stehen und es wird auch über die gesamte Distanz der 42 Minuten weder über- noch untertrieben.

Klar, es gibt ein paar Momente, wo ich nicht ganz erfüllt bin von alleiniger Freude. Dies liegt dann aber wahrscheinlich an meinen Hörgewohnheiten als an den Liedern selbst. ‚Song For A River’ gefällt mir persönlich nicht von der Wahl der Percussions und der Synth-Melodien und es fügt sich meiner Meinung nach auch nicht so gut in das Gesamtkonzept ein, obwohl ich ehrlicherweise sagen muss, dass der Track mit zunehmender Abspieldauer besser wird. Das andere, was mich stört, ist eigentlich nur eine Kleinigkeit, aber das Ticken eines Sekundenzeigers im Hintergrund eines Liedes (‚Old Mind’) hält mich völlig davon ab, es genießen zu können (besonders wenn es das letzte Lied des Albums ist). Aber wie gesagt, dass sind Sachen, die mir persönlich nicht gefallen, es sind keineswegs Schwächen im Songwriting.

Abgesehen von diesen beiden Kleinigkeiten, freue ich mich jedoch sehr, dass ich die Gelegenheit hatte, dieses Album vor seiner VÖ anhören und besprechen zu können. Für alle, die Interesse an deutschen Künstlern aus dem Bereich Indie Folk/Indie Pop haben und für alle anderen, die auf der Suche nach guter Musik sind, die weder zu traurig noch zu heiter ist, bietet Binoculers das perfekte Mittel der Wahl. Rüdebuschs Stimme lädt zum Augenschließen ein, die Songs zum Träumen. Insular Music landen mit ‚There Is Not Enough Space In The Dark’ einen spektakulären Label-Auftakt und Nadja Rüdebusch wird sicher eine breite Fangemeinde gewinnen können mit ihrer Mischung aus seichter Gelassenheit und ausgeschmückter Tiefe.

Alle, die wissen wollen, wie wenig Platz tatsächlich im Dunkel noch ist, können hier den empirischen Test machen:

http://www.insularmusic.com/?page_id=12 (Das Album erscheint in etwa einem Monat)

Die aktuellen Tour-Daten sollen natürlich auch noch folgen:

31/10/12 Freiheit & Roosen – Hamburg*
01/11/12 Brause – Düsseldorf*
02/11/12 Karoshi – Kassel*
03/11/12 Raststätte – Aachen*
04/11/12 Café Fabiunke – Bonn*
05/11/12 Grandhotel – Augsburg*
06/11/12 Oetinger Villa – Darmstadt*
07/11/12 NUN – Karlsruhe*
08/11/12 Galerie No Smoking – Strasbourg (F)*
09/11/12 Blau – Mannheim*
10/11/12 Buchcafé – Bad Hersfeld*
11/11/12 Die Gesellschaft – Hamburg*
15/11/12 Gelegenheiten – Berlin°
16/11/12 England, England – Dresden°
17/11/12 Dr. Seltsam – Leipzig°
18/11/12 Prinz Willy – Kiel°
19/11/12 Bismarck 106 – Bremen°
20/11/12 SissiKingKong – Dortmund°
21/11/12 Weltempfänger – Köln°
22/11/12 Pools – Göttingen°
24/11/12 Haus auf der Mauer – Jena°
*Mit Band
°Als Duo
Support bei allen Terminen: Nicolai Schorr
Die Tour wird präsentiert von: detektor.fm, roteraupe.de, nicorola.de

Und wer noch nicht genug bekommen konnte bis hierhin, dem sei noch eine wunderbare Akustik-Session geschenkt:

[revievv>>] Meursault – Something For The Weakened

_________________folk

Meursault – Something For The Weakened (2012, Song, By Toad)

Meursault – Flittin‘

Meursault – Untitled

Der Opener täuscht doch – oder warum habe ich beständig das Gefühl beim Anhören des neuen Meusault Albums (zumindest des ersten tracks), dass mich der Opener direkt in eine isolierte Hippiekommune der 60er versetzt, irgendwo im Hinterland von Indien, wo die Neuewahlheimatangereisten versuchen das gepflegte Chillen als Lebensform zu etablieren? Möglicherweise liegt es daran, dass im Opener eigentlich fast nichts anderes gesungen wird als „and we will not be weakened anymore“, immer wieder, und immer wieder mit den gleichen drei Akkorden. Wenn da einer nicht da Bild von Langgebarteten Männern und unangeschminkten aber haarbeachselten Frauen bekommt, die im Schatten eines kleinen runtergekommenen Häuschens auf der Wiese im Kreis sitzen und sich durch eben diese Musik versuchen in eine andere, möglichst bessere geistig-spirituelle Ebene hinein zu transzendieren, dann weiß ich auch nicht. Was ich allerdings auch nicht weiß, ist, warum ich so viel zum Opener des Albums schreibe, obwohl der Rest vom Album eigentlich nicht in die Fußstapfen der im ersten Track vermittelten Stimmung tritt. Wahrscheinlich aber deswegen, da ‚Thumb’ (so der Titel) einfach nur genial ist (und wenn man ihn einmal akzeptiert hat) wunderbar ins Album einleitet.

Dort erwartet einen dann eigentlich wunderbarer Indie Folk, der hier und da auch mal eher akustisch daher kommt, wie im Abschlusslied ‚Untitled’ des Langspielers. Prinzipiell hab ich bei dem gesamten Album das Gefühl, dass recht verschiedene Stile anzutreffen sind, die nicht zuletzt durch den charakteristischen Gesang und die eingängige Stimme des Sängers zusammengehalten werden. Lieder wie ‚Lament For A Teenage Millionair’ oder gleich das darauf folgende ‚Settling’ zeugen von einem hohen Gespür fürs Songwriting. Und das macht die Lieder dann auch besonders. Gerade der Mittelteil von Settling mit seinen kratzigen E-Gitarren, die sogar ein bisschen ins Noisige abdriften, verdeutlicht das sehr schön. Ich weiß zwar nicht was mit meiner ehemals recht starren Fixierung auf acoustic folk passiert ist, aber zur Zeit liebe ich einfach so schöne Ideen und Umsetzungen – ja Jan, auch im Folk.

Das ist eventuell auch das, was ich interessierten Hörern raten würde, damit man nicht mit falschen Ideen an das Album rangeht und dann eventuell ob dieser etwas enttäuscht ist, wenn sie sich nicht erfüllen. Meursaults neues Album ist abwechlungsreicher, manchmal auch lauter Indie Folk, der nicht an Bands wie Tilly And The Wall etc. anlehnt, sondern seine Inspirationen aus „ernsteren“ Folkgefilden zieht. Es klingt zwar blöd, wenn ich es so sage, aber das ist Folk für Erwachsene und nicht unbedingt der Indie Folk, den sich die ganz truen 14jährigen Indiegroupies reinziehen, die auch gern mal checken, was so in den Charts passiert und Sido eigentlich ganz cool finden. Meursault sind ein Genussmittel, dass man zu schätzen lernen muss.

Auch mir ist beim ersten Hören der Fehler passiert, dass mich meine falschen Erwartungen fast dahin gebracht hätten, das Album frühzeitig zur Seite zu legen. Denn ich dachte, warum auch immer, dass das neue Meursault ein acoustic folk Album sei, dass man auf halber Lautstärke gemütlich anhören kann. Klar, dass mich dann Passagen wie das Gitarren-Solo (ein gutes!, keine Angst!) in ‚Dearly Distracted’ etwas zu sehr distracted haben. Ich dachte so, was soll das denn für acoustic folk sein, viel zu unchillig viel zu indie folkig – und ich war anfangs recht enttäuscht. Dann aber kam der goldene Moment, als ich das Album einmal laut anhörte, nicht in der Erwartung bedächtigen Folk, sondern in der Erwartung gute Musik zu hören. Und mir kamen alle Lieder sonderlich bekannt vor, so als wohnten sie schon ewig in meinem Gehirn und hätten sich dort eingenistet gehabt wie eine vergessen geglaubte Erinnerung, die einen unerwartet deutlich vorm geistigen Auge schwebt. Die Erinnerung, die Lieder alle irgendwie zu kennen und die neue Herangehensweise ans Album haben mir einen Aha-Moment in seiner schönsten Form beschert, nämlich den, dass ich mich nachträglich in das Album verlieben konnte und nun immer noch bei jedem Durchgang ob der verschiedenen Ideen und der Farbenfrohheit erfreuen kann. Ruhige Lieder, schnellere Lieder, Hippie-Opener-Lieder, akustischere Lieder, mit Überraschungen-Lieder, einfach gute Lieder – das gesamte Album ist schlicht ohne musikalische Schwachstelle. Genial, Anwärter für best 2012 for sure.

Aber ein p.s. muss ich dann doch noch hinzufügen, denn wie es meistens im Leben so ist, so ist es auch hier: Licht wirft Schatten; und scheinbar musste die Natur eingreifen, um das so gute und runde Album mit irgendetwas zu bestrafen. Dreimal dürft ihr raten was es ist, ich gebe nur den Tipp, sich einmal das Cover anzuschauen. Wäre die Musik nicht wirklich traumhaft schön, wer, ich bitte euch, würde wagen, dieses Ekel von Cover-Artwork anzuschauen und es wagen Es zu berühren bzw. in Kontakt mit anderen Medien der geliebten Musiksammlung zu bringen. Ich hoffe einfach mal, dass keine Umgebungs-Kontamination stattfindet und gebe auch zu, dass dieser letzte Abschnitt hier mit einem zwinkernden Auge geschrieben wurde. Deswegen, Damen und Herren, hier entlang und einmal in die Musiktüte gegriffen:

http://songbytoadrecords.com/meursault/something-for-the-weakened/